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Mit an Empörung grenzender Verwunderung nehmen wir den Diskurs wie die Ereignisse rund um den sogenannten „Theaterstreit“ in Berlin wahr, insbesondere, erneut, die kulturpolitische Konzept- und Instinktlosigkeit des Kultursenators und seines Staatssekretärs.

Selbstverständlich ist ein Wechsel der Leitung auch an innig mit der Persönlichkeit ihres Intendanten verwobenen Häusern von Zeit zu Zeit nötig. Selbstverständlich muss ein nun auch schon seit über 20 Jahren umgesetztes Theater-Konzept nicht nahtlos und identisch weitergeführt werden. Selbstverständlich gefällt uns Berliner Pirat*innen die Perspektive von mehr Öffnung, Dynamik, Interdisziplinarität und die Aussicht einer „digitalen Bühne“.

Chris Dercon selbst als langjährig erfahrenen Museumsleiter im Bereich der zeitgenössischen Bildenden Kunst wollen wir dabei nicht kritisieren. Gerade seine Aktivitäten, u.a. in Bezug auf Interdisziplinarität, kulturelle Bildung und das Internet, kommen uns PIRATEN programmatisch grundsätzlich sehr entgegen. Wir wünschen ihm für seine Intendanz an der Volksbühne bestes Gelingen.

Die hinter den Kulissen getroffene Entscheidung allerdings, die Nachfolge von Frank Castorf an der Volksbühne nicht von der Darstellenden, sondern von der Bildenden Kunst her zu denken, bleibt uns, eher unverständlich. Hier werden zwei an und für sich gleichberechtigte, gleichwohl in vielerlei Hinsicht zurecht unterschiedliche Kunstsparten sinnlos gegeneinander ausgespielt – zumal in einer Zeit, in der Senator und Staatssekretär vor allem durch das schmerzliche Fehlen einer durchdachten Konzepts, einer weitreichenden kulturpolitischen Vision für Berlin auffallen. Und so durch ihr Vorgehen die Berliner Kulturakteur*innen – von den Leuchttürmen bis hin zu den feinen Verästelungen der Freien Szene – immer wieder vor den Kopf stoßen und gegen sich aufbringen.

Eine echte Modernisierung oder Weiterentwicklung der Volksbühne erkennen wir dabei nur begrenzt. Das seit Mitte der 90er Jahre in der Volksbühne gewachsene, sehr diverse Konzept mit zusätzlichen Spielorten und der Öffnung des Hauses für Musik, Diskurs, Party, Kunst scheint jetzt einfach mit mehr Glam, Internationalität und irgendwas-mit-Internet weitergeführt zu werden. Dass ein Kannibalisierungs-Effekt gegenüber anderen Berliner Häusern befürchtet wird, können wir nachvollziehen. Und dass hier – wie schon bei den Vorschlägen des Kultursenators für das Humboldt-Forum – erneut ein durch Me-too-Bestrebungen kompensiertes Konkurrenzdenken in Bezug auf die kulturellen Aktivitäten des Bundes in Berlin durchscheint, macht es auch nicht besser.

Wir fordern den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller deshalb auf, gemeinsam mit den Berliner Kulturschaffenden eine durchdachte kulturpolitische Vision für Berlin zu entwickeln, die alle Facetten der Berliner Kulturlandschaft mit einbezieht, und die nicht nur auf internationales Renommée schielt, sondern bis tief in die Bezirke hinein wirkt. Prozesse bezüglich der Neuausrichtung einzelner Häuser und der Neubesetzung von Leitungspositionen müssen transparent vor dem Hintergrund dieser Vision stattfinden und demokratischer gestaltet werden. In Bezug auf die Digitalisierung wünschen wir uns mehr Wirkung in der Breite, nicht nur in einer Spitze: Es muss jetzt damit begonnen werden, eine – zumindest allen mit öffentlichen Mitteln geförderten – Kulturinstitutionen und -projekten zur Verfügung stehende Servicestruktur aufzubauen, die Streamings von kulturellen Veranstaltungen – Bühne, Kunst, Diskurs etc. – fördert und ermöglicht.

Ausnahmsweise stimmen wir PIRATEN auch einmal der CDU zu: Die Forderung nach einem eigenständigen Kulturressort im Senat steht bei uns bereits seit Herbst letzten Jahres im Berliner Grundsatzprogramm.

Text: Themenbeauftragte Kultur Piratenpartei Berlin

Claudia Simon @k_propaganda

Kerstin Quitsch @la_lioness

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