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Olympia mal ander5?

Interessant^^ – das war mein Eindruck von der Beteiligungsveranstaltung zu Olympia am 18.02.15 im Radialsystem, kurzfristig quasi per piratigem Mandat organisiert von Kulturstaatssekretär Tim Renner und seiner eigentlich gar nicht für Olympia zuständigen Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten.

#OlympiaGehtAuchAnders aka #OlympiaAndersDenken war der Titel, und genau das sollte gemacht werden: Völlig frei das von Renner mit einigen Kulturschaffenden zuvor verfasste Thesenpapier, halt: Manifest, weiterdenken, verbessern, kritisieren. Und wenn das IOC sich auf ein so cooles Konzept für die Olympischen Spiele in Berlin nicht einliesse? Dann wäre das IOC halt uncool …

Die rund 100 Anwesenden taten nach einer kurzen Einführung von Renner und Mission Statements von drei von insgesamt 18 Mitverfassenden – Marion, Thorsten, Jakob, leider wurden die Akteure nur sehr hastig und informell vorgestellt – das Gewünschte und kreativten an mehreren Thementischen zu verschiedenen Aspekten rund um die Spiele: Kinder, Transparenz/Demokratie, Geschichte, Sport, Stadtentwicklung/Bauen, Nachhaltigkeit, Inklusive, Kunst/Freie Szene sowie „Dit und Dat“.

Nach einer ca. einstündigen Gruppenphase wurden dann die Ergebnisse der Tische kurz vorgestellt. Einige Aspekte tauchten mehrfach bei den verschiedenen Themen auf. So zB. die Einbeziehung, (bei der Vorbereitung wie der Durchführung der Spiele) der Bezirke, der Kieze und des öffentlichen Raums, bis hin zu einem dezentralen Olympischen Dorf. Oder die unbedingte Gleichzeitigkeit von Olympics und Paralympics. Und verschiedene Ideen, die auf die Auflösung von Nationalteams hinwiesen, die ich – entgegen was in der Presse zu lesen war – vom Saal sehr positiv angenommen verstanden hatte. Mehrere Ideen gingen in die Richtung, die Spiele weniger als singuläres Ereignis zu sehen, sondern als Teil, durchaus als eventhaften Höhepunkt, eines langfristigen Prozesses: Olympia als Zwischennutzung, nichts darf nur für Olympia entstehen, „Wir brauchen keine Olympia Vision 2024/28, sondern eine Berlin-Vision“. Immer wieder tauchten Hinweise darauf auf, wie nachhaltig gestört wohl das Vertrauen der Berliner*innen in den Senat ist, ein solches Großprojekt sinnvoll und erfolgreich zu stemmen. Und es gab immer wieder und ganz unterschiedliche Forderungen nach politischem Fair-Play und Transparenz (nicht notwendigerweise gleichzeitig nach Beteiligung), von der Veröffentlichung von Pitches für Kampagnen über Kosten (frühzeitig!) bis hin zu der Notwendigkeit des Austauschs „auf Augenhöhe“.

Einige weitere Positionen, querbeet: Kostenloser ÖPNV während der Spiele; Wasser statt Feuer als olympisches Symbol, bei der Eröffnungsveranstaltung werden die Fackeln für immer gelöscht; keine Feierlichkeiten im Olympiastadion; im Vorfeld ein „Olympisches Haus“ als Diskussions- und Begegnungsstätte; Medaillenkonzept überdenken; Staatenlose als richtiges Team – Olympic Nation; ein Freiticket für alle in Berlin Lebenden; keine zusätzlichen Überwachungskameras; Volksabstimmung für alle, die in der Stadt leben; intensiver Erfahrungsaustausch (Best Practice) mit andern Olympia-Städten; Eröffnungsveranstaltung als Mischung aus Love Parade und Karneval der Kulturen.

Am meisten Sorgen und Probleme wurden am Tisch Kunst / Freie Szene besprochen. Es gab die Befürchtung, dass Ideen abgegriffen und die Künstler*innen für die Bewerbung benutzt werden könnten, ohne dass sie ausdrücklich dahinter stehen. Die Gesamtheit der Szene, alle Kunstsparten sollten bei der Programmgestaltung mit einbezogen werden, unbedingt mit Transparenz und wenig bürokratischen Reibungsverlusten. Die Idee einer Olympia-Tax für Kunst und Künstler*inne wurde ins Gespräch gebracht.

Nach der Vorstellung der Tischergebnisse war die Veranstaltung dann eigentlich auch schon beendet – eine Art Plenum, offene, gemeinsame Diskussion, eine Bewertung oder gar Periodisierung der Ergebnisse im Hinblick auf deren Einfließen in das Papier o.ä. gab es nicht mehr. Informelles Get-Together, na gut. Ausgewählte Erkenntnisse der Veranstaltung will Renner mit seinem Team in das #OlympiaGehtAuchAnders-Papier einarbeiten und seinem Chef, dem Regierenden Bürgermeister, vorlegen, in der Hoffnung, dass die eine oder andere Idee in den tatsächlichen Prozess mit eingeht.

Mein Fazit: Augenhöhe stimmte so einigermaßen, denn Ort, Methode, Tonality waren durchaus der Zielgruppe angepasst. Mit der Transparenz haperte es allerdings ein wenig, weil die hastig erwähnten Teilnehmenden an der Erstformulierung des Thesenpapiers wie auch die Hosts der einzelnen Thementische, insbesondere die an allen Tischen präsenten Mitarbeiter*innen von SenKult, doch eher im Dunkeln blieben. Vage aufgefallen ist mir (nachdem ich selbst als Hopperin an mehreren Tischen dabei war), dass die Vorstellung der Tischergebnisse durch SenKult-Kolleg*innen schon eine erste Machbarkeits-Filterung hinter sich gehabt haben können hätten. Auch gab es keine echten Hinweise darauf, was und durch wen von den diversen, nach Selbsteinschätzung teils „radikalen“ Brainstormingergebnissen tatsächlich in das Thesenpapier eingehen wird. Eine Verpflichtung seitens des Regierenden Bürgermeisters oder der eigentlich zuständigen Senatsverwaltung für Sport gibt es natürlich auch nicht, irgendetwas davon zu berücksichtigen. Eins fragt sich dann halt schon, was die Motivation eines so steilen Aufrufs sein könnte, der den sonstigen Angang des Senats ziemlich krass in Frage stellt. Weil wir es können? Wahlkampf? Beteiligungsplacebo? Irgendwas mit Exit-Strategie? Palastrevolution? Die genannt-befürchtete Instrumentalisierung? Ach, was weiss ich denn schon … und verbleibe gespannt, ob und was von alldem wieder sichtbar werden wird.

Was noch geschah: Ein Mann, der zunächst Flugblätter vom Bündnis „olympia verhindern“ verteilen durfte, wurde später wohl gebeten zu gehen.

Ab und zu habe ich hier im X019/LMVB142 gespickt, bei geeigneter Gelegenheit den einen oder anderen Aspekt davon ins Gespräch gebracht oder auf das Packpapier der Tische geschrieben. Insgesamt tauchte tatsächlich das Meiste von dem, was da drin steht, zumindest ansatzweise in dem Brainstorming auf.

Wasser, Wein und Brezeln – ein kleines Startgeld sozusagen – gab es auch, für umme, aus unbekannten Quellen weil kein Budget bei SenKult. Ich habe ein Glas Wasser und zwei kleine Gläser Rotwein getrunken und eine Brezel gegessen.

Weiterführende Lektüre: Olympic Agenda 2020. Diese 2014 verabschiedete Agenda wurde im Verlauf der Veranstaltung an verschiedenen Tischen immer wieder erwähnt, weil sie an sich bereits eine drastische Veränderung darstellt. Kernpunkt: Die ausrichtenden Städte müssen sich nicht mehr Olympia anpassen, sondern die Spiele der Stadt.

TEXT: Claudia Simon

Presse hierzu: BLN.FM: „Ideen-Explosion” gegen Ber­li­ner Olympia-Muffeligkeit http://www.bln.fm/2015/02/ideen-explosion-gegen-berliner-olympia-muffeligkeit/ Berliner Morgenpost: Tim Renner sucht mit Berliner Künstlern das „coole Olympia“ http://www.morgenpost.de/berlin/olympia-in-berlin/article137612429/Tim-Renner-sucht-mit-Berliner-Kuenstlern-das-coole-Olympia.html

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